Die schmutzigen Hände / Die Gerechten im Theater Regensburg: Existenzialistisches Schauspiel trifft Regensburg


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Ein Doppelabend über Macht, Gewissen und den Preis der Überzeugung
Mit Die schmutzigen Hände / Die Gerechten bringt Theater Regensburg einen klug gebauten Doppelabend auf die Bühne des Antoniushauses. Jean-Paul Sartre und Albert Camus treffen hier in zwei existenzialistischen Klassikern aufeinander, die nicht altern, sondern mit jeder politischen Erschütterung neue Schärfe gewinnen. Im Zentrum stehen Revolution, Moral und die unbequeme Frage, ob sich Menschlichkeit gegen Ideologie behaupten kann.
Wenn aus Haltung Handlung wird
Sartres Die schmutzigen Hände blickt auf den inneren Abgrund politischer Tat. Hoederer sucht den Kompromiss, Hugo die reine Lehre, und zwischen beiden reibt sich eine Geschichte, in der Ideale zu gefährlichen Waffen werden. Der Abend entfaltet so ein spannendes Bühnenerlebnis voller Spannungen, Zweifel und beklemmender Gegenwart. Die dramaturgische Wucht entsteht aus dem Schlagabtausch der Positionen, nicht aus äußerem Effekt.
Camus als zweite, leise Flamme
In Die Gerechten verdichtet Camus den moralischen Ausnahmezustand zu einem Kammerspiel der Entscheidung. Eine revolutionäre Gruppe plant ein Attentat, doch im entscheidenden Moment kippt die Gewissheit. Aus dem politischen Feind wird ein Mensch. Genau hier liegt die Kraft dieses Theaterabends: Er zeigt nicht nur Konflikt, sondern das Zittern vor der Konsequenz. Die Inszenierung öffnet damit Raum für eine Publikumsreaktion, die nachhallt, weil sie Grundfragen des Zusammenlebens berührt.
Regie, Ausstattung und Theateratmosphäre
Die Regie von Antje Thoms, die Ausstattung und das Video von Florian Barth sowie die Dramaturgie von Elena Höbarth setzen auf Konzentration und Präzision. Das Antoniushaus bietet dafür den passenden Rahmen: ein sanierter Theaterraum mit Parkett und Galerie, nah am Publikum, dicht an der Sprache, offen für die Spannung zwischen Bühne und Zuschauerraum. Für diese Inszenierung weist das Haus zudem auf sensorische und inhaltliche Hinweise hin, darunter Nebel, einzelne Gänge ins Publikum, laute Musik, E-Zigaretten und die Thematisierung von Terror und physischer Gewalt.
Ein Abend für Kopf und Herz
Wer politisches Theater mit geistiger Klarheit, starker Schauspielkunst und einer intensiven Theateratmosphäre schätzt, findet hier einen Abend von seltener Dichte. Der Doppelabend fordert, ohne zu belehren, und hält das Publikum bis zum Schluss in einer offenen Frage gefangen: Was bleibt von einer Überzeugung, wenn sie Blut kostet?
Die Aufführung verspricht einen Abend voller Reibung, Erkenntnis und emotionaler Spannung. Wer großes Schauspieltheater mit klassischer Substanz erleben will, sollte sich diesen Termin im Antoniushaus sichern und Sartre wie Camus live begegnen.
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